Ab dem 27. September 2026 gelten in Österreich verschärfte Vorgaben für Umweltangaben und Nachhaltigkeitssiegel. Mit der Umsetzung der EmpCo-Richtlinie werden bestehende Anforderungen an die Umweltkommunikation konkretisiert und um neue Verbote ergänzt. Für Unternehmen stellt sich damit die Frage: Wie können Nachhaltigkeits- und Kreislaufwirtschaftsleistungen weiterhin sichtbar und verständlich kommuniziert werden – und gleichzeitig nachvollziehbar, belegbar und regelkonform bleiben?
Genau dieser Frage widmete sich das Webinar des Circular Economy Forum Austria am 23. September 2026. Im Mittelpunkt standen zwei Perspektiven: die rechtlichen Rahmenbedingungen und deren Umsetzung in Österreich sowie der konkrete Umgang mit den neuen Anforderungen in der Unternehmenspraxis.
Alexandra Ciarnau, Partnerin bei DORDA Rechtsanwälte und Präsidentin von Women in AI Austria, gab einen Überblick über die rechtlichen Neuerungen. Dabei machte sie deutlich: Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen unterlagen auch bisher dem allgemeinen Irreführungsverbot. EmpCo ergänzt nun konkrete Verbote und erleichtert damit in bestimmten Bereichen auch deren Durchsetzung.
Besonders relevant sind allgemeine Umweltaussagen wie „grün“, „ökologisch“ oder „klimaneutral“. Solche Aussagen müssen entsprechend belegt werden und dürfen nicht pauschal auf ein gesamtes Produkt oder Unternehmen bezogen werden, wenn sie tatsächlich nur einzelne Bestandteile, Prozesse oder Tätigkeiten betreffen. Weitere Regelungen betreffen unter anderem Aussagen zu Treibhausgasemissionen, Haltbarkeit und Reparierbarkeit sowie Nachhaltigkeitssiegel. Insbesondere ungeprüfte „Fantasiesiegel“ werden künftig deutlich eingeschränkt.
Auch Aussagen über zukünftige Umweltleistungen müssen künftig klar, objektiv und öffentlich überprüfbar sein sowie auf einem konkreten Maßnahmenplan beruhen.
Die zentrale Botschaft: Viele Anforderungen an belegbare und nicht irreführende Umweltkommunikation bestanden bereits zuvor. EmpCo zieht die Grenzen in bestimmten Bereichen nun noch klarer.
Wie die neuen Anforderungen in der Praxis umgesetzt werden können, zeigte Maria Leichtfried aus dem Team Grüne Strategie & Marketing bei gugler* DruckSinn.
gugler* hat dafür zunächst die bestehende Kommunikation analysiert und anschließend interne und externe Expertise eingeholt, Maßnahmen priorisiert und schrittweise umgesetzt. Den praktischen Umgang mit bestehenden Umweltaussagen fasste Maria Leichtfried in fünf Schritte: ergänzen, verändern, streichen, dokumentieren und kommunizieren.
So werden allgemeine Aussagen heute stärker konkretisiert und mit nachvollziehbaren Informationen hinterlegt. Statt etwa lediglich von „klimafreundlich“ zu sprechen, wird beschrieben, welche konkrete Leistung dahintersteht. Gleichzeitig wurden nicht ausreichend belegbare Kurzclaims und eigene Labels gestrichen. Eine interne Dokumentation verknüpft die verwendeten Umweltaussagen mit den jeweiligen Belegen und unterstützt Mitarbeiter:innen dabei, diese sicher in der Kommunikation einzusetzen.
Zum Abschluss waren sich beide Expertinnen einig, dass die neuen Anforderungen auch Chancen bieten können: für mehr Transparenz, nachvollziehbarere Aussagen und eine bessere Unterscheidbarkeit tatsächlich erbrachter Umweltleistungen.
Die zentrale Erkenntnis des Webinars: Die neuen Spielregeln müssen nicht zu weniger Kommunikation über Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft führen. Entscheidend ist, konkreter, nachvollziehbarer und belegbarer zu kommunizieren.
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