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Circular Economy Kompetenzen & Standards: Welche Fähigkeiten braucht die Transformation?

Am 17. Juni 2026 widmete sich das Webinar des Circular Economy Forum Austria der Frage, welche Kompetenzen, Berufsbilder und Standards für die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft zentral sind. Im Fokus standen drei Perspektiven: Circular Jobs und Kompetenzprofile, internationale Standards der ISO-59000-Familie sowie Bildung und Ausbildung für Circular Economy. 

Circular Jobs und neue Kompetenzprofile

Input Valerie-Sophie Schönberg, Executive Director des Circular Economy Forum Austria

Kreislaufwirtschaft verändert nicht nur Produkte und Geschäftsmodelle, sondern auch Arbeit, Rollen und Qualifikationsprofile. Circle Economy (2021) klassifiziert Jobs in einer Circular Economy in drei Gruppen: 

  • Core Circular Jobs: Berufe, die Kreislaufwirtschaft direkt umsetzen, etwa Reparatur, Wiederverwendung, Abfall- und Ressourcenmanagement, erneuerbare Energie oder zirkuläre Produktion. 
  • Enabling Circular Jobs: Rollen, die zirkuläre Lösungen ermöglichen, etwa in Design, Bildung, Digitalisierung, Leasingmodellen, Beratung, Forschung oder Produktentwicklung. 
  • Indirect Circular Jobs: unterstützende Tätigkeiten, die Kreislaufwirtschaft indirekt stärken, etwa in Logistik, Verwaltung, öffentlichem Sektor, Informationsdiensten oder Finanzierung.

Neue Aufgaben entstehen entlang von Design, Beschaffung, Produktion, Nutzung, Reparatur, Rücknahme, Wiederverwendung, Recycling, Datenmanagement und Organisationsentwicklung. Eine Kompetenz beschreibt dabei mehr als reines Fachwissen. Sie umfasst das Zusammenspiel von:

  • Wissen: fachliche Grundlagen, Konzepte, Methoden und Zusammenhänge 
  • Fähigkeiten: praktische Anwendung, Analyse, Gestaltung und Umsetzung 
  • Haltung: Problembewusstsein, Kooperationsbereitschaft, Verantwortungsübernahme und systemisches Denken

Kreislaufwirtschaft braucht daher klare Kompetenzprofile, neue Berufsbilder, gemeinsame Standards und neuartige Bildungsangebote, die Circular Economy breiter verankern. Mehr über „Circular Jobs“ im kostenlosen Online-Magazin CIRCULAR INSIDER AUSTRIA oder im Grundlagenwerk Handbuch Kreislaufwirtschaft (2026) beim Linde Verlag.

Skills Gaps, neue Berufsbilder und internationale Beispiele
Input Raphael Schranz, Certified Circular Economy Officer, Unternehmensberater und Advisor des Circular Economy Forum Austria

Raphael Schranz zeigte, dass die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft neue Kompetenzprofile erfordert. Neben technischem Fachwissen braucht es ein Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge, wissenschaftliche Grundlagen, Systemgrenzen und Kooperationslogiken.

Wichtige Kompetenzfelder sind unter anderem:

  • zirkuläres Produkt- und Systemdesign 
  • zirkuläre Geschäftsmodellentwicklung 
  • Lieferketten- und Stakeholder-Mapping 
  • Reverse Logistics und Rohstoffmanagement 
  • Finanzwesen und Makroökonomie 
  • Grundlagen aus Chemie, Physik und Biologie 
  • Komplexitätsverständnis, etwa zu Systemgrenzen, Elementen, Symbiosen und Metastrukturen 

Als neue oder geschärfte Berufsbilder wurden unter anderem Circular Designer und Circularity Manager genannt. Internationale Beispiele, etwa aus dem 3D-Druck und der Vorfertigung im Bausektor, zeigten, wie zirkuläre Ansätze Ressourceneinsatz, Bauzeiten, Wiederverwendbarkeit und Wirtschaftlichkeit beeinflussen können.

Circular Economy nach ISO
Input Reha Tütenek, Portfolio Manager Certification bei Austrian Standards Institute 

Reha Tütenek stellte die Rolle von Standards, Kompetenzen und Zertifizierung für die Kreislaufwirtschaft vor. Mit der ISO-59000-Familie wurden 2024 erstmals internationale Standards für Circular Economy veröffentlicht. Sie schaffen gemeinsame Begriffe, ein einheitliches Verständnis und bessere Vergleichbarkeit.

Die Standards greifen dabei wie ein Entwicklungs- und Reifegradmodell ineinander:

  • ISO 59004: Verstehen
    Die ISO 59004 schafft die begriffliche und konzeptionelle Grundlage. Sie definiert zentrale Begriffe, Prinzipien und Orientierungen der Kreislaufwirtschaft und hilft Organisationen, ein gemeinsames Verständnis aufzubauen. 
  • ISO 59010: Transformieren und Umsetzen
    Die ISO 59010 unterstützt Organisationen dabei, lineare Geschäftsmodelle und Wertschöpfungslogiken weiterzuentwickeln. Im Fokus stehen zirkuläre Geschäftsmodelle, Wertschöpfungsnetzwerke, Kooperationen und die konkrete Transformation von Produkten, Services und Prozessen. 
  • ISO 59020: Messen und Bewerten
    Die ISO 59020 macht Zirkularität messbar. Sie bietet Orientierung für die Bewertung von Materialflüssen, Ressourceneffizienz, Wiederverwendung, Recyclingfähigkeit und Circularity Performance. Damit wird nachvollziehbar, ob und wie zirkuläre Maßnahmen Wirkung entfalten. 
  • Circular Economy Officer acc. ISO 59004: Kompetenzen aufbauen
    Die Personenzertifizierung setzt bei den Menschen an, die Standards in Organisationen anwenden und übersetzen müssen. Sie macht Kompetenzen sichtbar und unterstützt Unternehmen dabei, qualifizierte Fachkräfte für Circular Economy aufzubauen. 
  • ISO 59001: Systematisch steuern
    Die ISO 59001 ist als zukünftiger Managementsystemstandard für Circular Economy in Entwicklung. Sie soll Organisationen dabei unterstützen, Circular Economy über Ziele, Governance, Kennzahlen, Risiko- und Chancenmanagement, Performancebewertung und kontinuierliche Verbesserung dauerhaft zu verankern.

So entsteht ein nachvollziehbarer Pfad: verstehen, transformieren, messen, Kompetenzen aufbauen und systematisch steuern. Standards werden damit nicht als Selbstzweck verstanden, sondern als Orientierungsrahmen, um Kreislaufwirtschaft vom einzelnen Projekt in die Organisation zu bringen.

Bildung und Ausbildung für Circular Economy
Input Birgit Gahleitner, FH-Vortragende, Unternehmensberaterin und Advisor des Circular Economy Forum Austria

Birgit Gahleitner rückte die Bildungs- und Ausbildungsperspektive in den Mittelpunkt. Kreislaufwirtschaft sollte nicht als zusätzliches Thema verstanden werden, sondern als grundlegendes Mindset und als Teil einer breiten Circular Literacy.

Circular Literacy bedeutet, Kreisläufe und Zusammenhänge entlang des gesamten Systems zu verstehen, unter anderem:

  • Design 
  • nachhaltige Produktion 
  • Nutzung und Service 
  • Reparatur 
  • Refurbishing und Remanufacturing 
  • Rücknahme und Reverse Logistics 
  • Materialgesundheit 
  • Trennung, Sortierung und Recycling 
  • Energieeffizienz und Nutzungsverhalten 

In Bildung und Ausbildung zeigt sich Circular Economy bereits in unterschiedlichen Formaten, etwa in Standard-Curricula, Modulwochen, Seminaren, Gastvorträgen, Hochschulprogrammen und postgradualen Weiterbildungen. Relevante Themenfelder sind unter anderem Dekarbonisierung, Future Thinking, Circular Products and Service Design, nachhaltiges Materialmanagement, Umweltökonomie, Green Marketing, Sustainable Leadership und Future Business.

Weiterführende Beiträge:


Die vollständigen Beiträge und Details sind in der Nachschau im YouTube-Video verfügbar: 

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