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Webinar „Kreislaufwirtschaft als Pulsgeber für Österreichs Wettbewerbsfähigkeit“

Am 26. Februar durften wir als Circular Economy Forum Austria gemeinsam mit dem KONTEXT-Institut für Klimafragen über 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu unserem Webinar begrüßen. Im Fokus stand die Frage, wie die Kreislaufwirtschaft den Wirtschaftsstandort Österreich nachhaltig stärken kann. Unter der Moderation von Gregor Gluttig (Vorstand, Circular Economy Forum Austria) diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis über die vielversprechenden Potenziale sowie die notwendigen Rahmenbedingungen für echte Kreislaufmodelle.

Gastgeber: Circular Economy Forum Austria & KONTEXT-Institut für Klimafragen 

Moderation: Gregor Gluttig (Vorstand, Circular Economy Forum Austria)

Gäste: 

  • Johanna Roniger & Katharina Rogenhofer (KONTEXT-Institut)
  • Berthold Kren (Saubermacher AG)
  • Stefan Steinlechner (Wienerberger)
  • Paul Niedl (Starlinger Gruppe)

1. Präsentation der KONTEX-Studie: Potenziale für den Standort Österreich

Johanna Roniger stellte die Ergebnisse der aktuellen Studie vor, die sich auf die Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftlichen Hebel durch Kreislaufwirtschaft – im Speziellen Recyclingtechnologien – konzentriert. Beleuchtet wurden die drei zentralen Branchen Kunststoff, Metall und Bauwesen.

Zentrale Erkenntnisse und Zahlen:

  • Massiver Wirtschaftsimpuls: Exporte von Recyclingtechnologien im Wert von 2,7 Milliarden Euro können in Österreich 2,2 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung generieren.
  • Schaffung von Arbeitsplätzen: Dieses Potenzial geht mit der Schaffung von rund 20.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen einher.
  • Breite Streuung: Die positiven Effekte beschränken sich nicht auf die Abfallwirtschaft, sondern strahlen stark auf den Maschinenbau, den Großhandel und diverse Dienstleistungssektoren aus.
  • Starke Ausgangslage: Österreich gehört bereits zu den Top 3 beim europäischen Eco Innovation Index und hält überdurchschnittlich viele Patente im Bereich Kreislaufwirtschaftstechnologien (insbesondere beim Kunststoffrecycling).

2. Kernthemen der Podiumsdiskussion

Im Anschluss diskutierten Vertreter von Vorreiterunternehmen über die praktische Umsetzung und die notwendigen Rahmenbedingungen.

Kreislaufwirtschaft als profitables Geschäftsmodell

Einigkeit bestand darüber, dass ökologische Motive allein nicht ausreichen. Kreislaufwirtschaft muss ein funktionierendes, wirtschaftliches Geschäftsmodell sein. Unternehmen wie Saubermacher, Wienerberger und Starlinger (Maschinenbau für Kunststoffrecycling) bewirtschaften diesen Bereich erfolgreich, indem sie Abfallprodukte systematisch als wertvolle Sekundärrohstoffe nutzen und entsprechende Anlagen weltweit vertreiben.

Regionalität vs. Globale Lieferketten

Die Bedeutung kurzer Lieferketten wurde stark hervorgehoben.

  • Grenzen des Transports: Berthold Kren betonte, dass beim Recycling von Bauschutt (z.B. Beton, Ziegel) ab einer Transportdistanz von ca. 50 Kilometern die ökologische und ökonomische Sinnhaftigkeit endet („das Material ist tot“).
  • Regionale Autarkie: Stefan Steinlechner verwies auf Projekte in Wien, bei denen Aushubmaterial der U-Bahn direkt in die Ziegelproduktion von Wienerberger fließt. Der Fokus auf Regionalität stärkt die lokale Wirtschaft und senkt CO2-Emissionen maßgeblich.

Politische Rahmenbedingungen und Bürokratieabbau

Um die Potenziale zu hebeln, richteten die Diskutanten klare Forderungen an die Politik:

  • Vollzug statt neuer Regularien: Paul Niedl wies darauf hin, dass im Kunststoffbereich bereits ausreichend EU-Gesetze existieren (z.B. die eigentlich für 2025 geltende Vorgabe von 25 % Rezyklat in PET-Flaschen). Es mangelt jedoch an der konsequenten Exekution und an Sanktionen.
  • Vorbildfunktion der öffentlichen Hand: Bei der öffentlichen Beschaffung müssen kreislauffähige Produkte und Lebenszykluskosten standardmäßig priorisiert werden (Level-Playing-Field), um stabile Leitmärkte zu schaffen.
  • Modernisierung des Abfallrechts: Das aktuelle Gesetz behandelt Sekundärrohstoffe oft schlechter als Primärrohstoffe. Zudem bleiben wertvolle Daten zu Abfallströmen (z.B. im EDM-System) ungenutzt. Abfall darf bürokratisch nicht per se als „schlecht“ gebrandmarkt werden, wenn er eigentlich ein Rohstoff ist.
  • Planungssicherheit durch CO2-Bepreisung: Katharina Rogenhofer betonte die Wichtigkeit einer langfristig stabilen und planbaren CO2-Bepreisung (ohne „Stop-and-Go“-Politik), damit sich Investitionen in ressourcenschonende Technologien für Unternehmen lohnen.

3. Ausblick auf 2030: Optimismus und Kooperation

Auf die Frage, wie die Welt im Jahr 2030 aussehen soll, dominierten Optimismus und der Wille zur Kooperation.

Die Redner waren sich einig: Kein Unternehmen kann den Kreislauf allein schließen. Es braucht Vernetzung entlang der gesamten Wertschöpfungskette (ähnlich den Circular Deals in den Niederlanden). Entsorger fungieren dabei oft als „Zellflüssigkeit“, die Produzenten und Konsumenten verbindet.

Schlusswort (Katharina Rogenhofer): Wenn wir es schaffen, die in Europa vorhandenen Rohstoffe wertzuschätzen und im Kreislauf zu halten, machen wir uns unabhängig von globalen Importen, schaffen lokale Arbeitsplätze und erhalten unsere Lebensqualität bei deutlich geringerem Energieeinsatz.

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