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Kreislaufwirtschaft in Stadt & Region managen: Rückblick auf den 10. Circular Cities & Regions Roundtable

Wie verankern Städte und Regionen Kreislaufwirtschaft dauerhaft, statt sich in Einzelmaßnahmen zu verlieren? Diese Frage diskutierten am 30. September 2026 Vertreter:innen aus Städten, Regionen, Landesverwaltungen, Gemeindeverbänden und Kulturbetrieben von Wien bis Vorarlberg. Zwei Impulse lieferten die Grundlage. Martina Lepschi zog eine offene Bilanz aus dem Steirischen Vulkanland. Bastien Huber zeigte, wie Team Kreislaufwirtschaft Gemeinden und Regionen vom Zielbild bis zur Umsetzung begleitet.

Vier Jahre Modellregion: Was bleibt?

Martina Lepschi leitete seit 2022 die Modellregion für Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft im Steirischen Vulkanland. Die Region setzte sich 2021 gegen 14 Mitbewerberinnen durch und setzte elf Maßnahmen um. Sie verteilen sich auf drei Felder: Rohstoffe, Energie und Lebensmittel. Eine ökologische Gesamtbewertung und eine Initiative für nachhaltigen Lebensstil verbinden die Felder. Leitplanke für alle Projekte ist die Vision 2040: Das Vulkanland will die lebenswerteste Region Europas werden. Die Modellregion endete am 30. Juni 2026. Die erfolgreichen Themen führt das Vulkanland über LEADER weiter: Lebensmittel und Eiweißversorgung, Boden, Wald und nachhaltiger Lebensstil.

Wichtige Learnings, die wir daraus mitgenommen haben:

  • Zeit einplanen: Veränderung braucht oft zehn bis fünfzehn Jahre. Förderprojekte laufen meist nur zwei bis fünf Jahre. Fokus ist daher wichtig.
  • Thema in der Vision verankern: Kreislaufwirtschaft wird Teil der übergeordneten Vision und dort in ökologischer, wirtschaftlicher und menschlicher Hinsicht verankert.
  • Stakeholder einbinden und Charta verabschieden: Ein breiter Stakeholderprozess schafft gemeinsames Verständnis. Eine Charta hält die gemeinsamen Ziele verbindlich fest.
  • Maßnahmenprogramm und politisches Commitment verbinden: Das Maßnahmenprogramm entsteht parallel zum politischen Rückhalt. Gemeinderatsbeschlüsse geben der Umsetzung Verbindlichkeit.
  • Mit etablierten Partnern arbeiten: Veranstaltungen zum klimafitten Wald blieben trotz guter regionaler Verankerung leer. Mit Waldverband und Landwirtschaftskammer als Mitveranstaltern waren sie ausgebucht.
  • Kontinuierlich kommunizieren: Die Öffentlichkeit wird über viele Jahre immer wieder informiert, etwa über Präsentationen, Pressekonferenzen und Inserate. Im besten Fall greifen einzelne Stakeholder die Themen auf und tragen sie weiter. So entsteht ein positiver Schneeballeffekt.
  • Mehrwerte aufzeigen: Partner machen mit, wenn sie selbst profitieren, etwa durch Sichtbarkeit, Exkursionen oder eine Anschubfinanzierung.
  • Ins Handeln kommen: Wenn Menschen selbst aktiv werden, lassen sich neue Projekte und Arbeitspakete ableiten. Der Prozess trägt sich zunehmend aus sich heraus.

Außerdem bewertete die Region knapp 100 Prozesse nach ihrem ökologischen Druck, mit einheitlicher Systemgrenze. So lassen sich die Ergebnisse direkt vergleichen.

Vom Zielbild zur Umsetzung: Team Kreislaufwirtschaft

Bastien Huber stellte den Beratungsprozess von Team Kreislaufwirtschaft vor. Er orientiert sich an zehn kommunalen Handlungsfeldern der Kreislaufwirtschaft. Jede Gemeinde oder Region wählt daraus die Felder aus, die zu ihrer Ausgangslage passen, und gestaltet dort ihre Maßnahmen. Diese Maßnahmen zahlen auf Ziele ein, die die Region selbst festlegt. Das kann etwa mehr Lebensqualität sein, ein Beitrag zum regionalen Arbeitsmarkt, geringere Kosten oder eine sichere Versorgung.

Fünf Phasen führen vom Einstieg bis zur Umsetzung:

  • Einstieg: Gemeinde oder Region klären ihre Rolle und ihren Auftrag. Sie legen fest, welche Ziele sie verfolgen und was der Prozess bringen soll.
  • Verständnis: Vorträge, Workshops und kreative Methoden der Wissensvermittlung schaffen ein gemeinsames Bild von Kreislaufwirtschaft und was sie vor Ort bedeuten kann.
  • Analyse: Ein regionaler Ressourcencheck und ein Umfeldcheck zeigen den Status quo. Zusammen mit dem Zielbild machen sie sichtbar, wo die größten Hebel liegen.
  • Entwicklung: In partizipativen Mach-Mit-Workshops erarbeiten Verwaltung, Zivilgesellschaft und Betriebe Strategien und Maßnahmen. Das Ergebnis ist ein Aktionsplan.
  • Umsetzung: Die Gemeinde oder Region setzt die Maßnahmen um. In den 20 Kernregionen unterstützt ein Beratungsbudget diesen Schritt.

Alle Phasen, Methoden und Werkzeuge stehen kostenlos auf teamkreislaufwirtschaft.at zur Verfügung. Gemeinden und Regionen können sie selbst anwenden, Prozessbegleiter:innen können damit arbeiten. Simone Federsel stellte dazu die Wissensdatenbank vor, die sich nach Handlungsfeldern und Zielen filtern lässt. Ergänzend baut Team Kreislaufwirtschaft einen bundesweiten Fachexpert:innen-Pool auf. Trainings, Workshops, Webinare und Netzwerktreffen stehen allen Gemeinden und Regionen offen.

Offene Fragen und Herausforderungen aus der Runde

  • Zielkonflikt Kommunalsteuer: Gemeinden finanzieren sich wesentlich über die Kommunalsteuer angesiedelter Betriebe. Das steht im Zielkonflikt mit Flächensparen und zirkulärer Standortentwicklung. Ziele auf dem Papier lassen sich schwer halten, sobald eine konkrete Ansiedlungsanfrage kommt. Die Runde regte an, diesen Hebel österreichweit zu analysieren.
  • Plattformen zwischen Reichweite und Regionalität: Regionale Tausch- und Rohstoffbörsen erreichen oft zu wenige Nutzer:innen. Große Plattformen hätten die Reichweite, sind aber weit weg von regionalen Stoffströmen und Akteur:innen. Offen bleibt, wie beides zusammenfindet und wer das Matching von Sekundärrohstoffen organisiert.
  • Mehrweg bei Veranstaltungen: Regionen haben unterschiedliche Voraussetzungen. Deshalb hilft es, konkrete Ziele zu setzen und den Akteur:innen offenzulassen, mit welchen Lösungen sie diese erreichen. Je nach Region passt etwa ein Geschirrmobil, eine professionelle Waschlösung über einen sozialökonomischen Betrieb oder eigene Infrastruktur der Gemeinde.
  • Verstetigung: Mehrjährige Netzwerkprojekte suchen Partner, die erprobte Formate weiterführen, etwa eine Höfetour oder Kunststoff-Workshops an Volksschulen.
  • Widerstand im Bestehenden: Etablierte Organisationen und Geschäftsmodelle bremsen Veränderung. Manche Akteur:innen setzen deshalb gezielt auf einzelne Pionier:innen.
  • Fehlende Flächen: Für die Wiederverwendung, etwa im Kulturbereich, fehlen Lagerflächen. Leerstände könnten hier kreislauforientiert genutzt werden.

Ausblick

Der nächste Circular Cities & Regions Roundtable findet am 16. Dezember 2026 online von 10:45 – 12:30 Uhr statt. Thema ist zirkuläre Beschaffung in Stadt & Region, mit Einblicken aus Wien. Direkt davor vermittelt ein Webinar des Team Kreislaufwirtschaft das Grundlagenwissen. Der Roundtable richtet sich an Vertreter:innen von Städten und Regionen. → Anfrage zur Anmeldung an valerie-sophie.schoenberg@circulareconomyforum.at

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