Wie schaffen wir es, nicht nur weniger Schaden anzurichten, sondern unserer Umwelt und Gesellschaft aktiv Gutes zu tun? Mit dieser zentralen Frage beschäftigte sich unser Webinar „Regenerativ Wirtschaften für die Kreislaufwirtschaft. Neue Perspektiven für echte Transformation.“
Angesichts globaler Krisen und spürbarer planetarer Grenzen wird klar: Die reine Reduktion von negativen Auswirkungen reicht nicht mehr aus. Wir müssen den Schritt von einer linearen Wirtschaft über die klassische Kreislaufwirtschaft hin zu einem regenerativen Wirtschaftssystem gehen. Das bedeutet: Unabhängigkeit durch lokale Wertschöpfung, Erhalt unserer Lebensqualität und die Schaffung von Systemen, die heilen statt auszubeuten.
Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse und Impulse unserer Speaker:innen zusammengefasst.
Andreas Ellenberger (Advisor on Project Management, Circular Economy Forum Austria) und Andreas Melzer (Mitglied, Circular Economy Forum Austria) eröffneten die Veranstaltung mit einem starken Bild: Es geht darum, eine Zukunft zu gestalten, in der wir gerne leben wollen. Im Zentrum steht dabei die Lebendigkeit.
Um diesen Wandel in Unternehmen zu treiben, braucht es ein neues Verständnis von Führung – das Regenerative Leadership. Dieses setzt auf drei Ebenen an:
Melanie Kraschitzer (Fellow am Institut für regeneratives Wirtschaften) nahm uns mit auf eine historische Reise. Sie skizzierte die „Story of Separation“ – die Geschichte, wie sich der Mensch in den letzten Jahrhunderten zunehmend von der Natur entfremdet hat.
Diese mechanistische und reduktionistische Logik prägt unsere Wirtschaft bis heute, oft sichtbar im klassischen „Silo-Denken“ vieler Unternehmen. Der notwendige Paradigmenwechsel verlangt von uns, Organisationen und die Wirtschaft wieder als lebendige Systeme zu begreifen. Das bedeutet, neben Finanzen und Technologien auch wieder den Raum für Gesundheit, Kreativität, Sinn und Mitgefühl zu öffnen.
Die klassische Kreislaufwirtschaft (Vermeidung von Abfall, Effizienzsteigerung) war ein überlebenswichtiger Meilenstein, erklärte Mathias Behrens (Vorstand fiveP / re:connect Inkubator für regeneratives Wirtschaften). Doch um den Planeten zu heilen, müssen wir unsere Ambitionen erhöhen – von „weniger schlecht“ zu „nettopositiv“.
Er schlägt ein radikales Umdenken bei den bekannten R-Strategien vor:
Dass dies keine ferne Utopie ist, zeigen Pionierunternehmen: Von Proservation (kompostierbare Verpackungen aus Getreidespelzen) über Biom (CO2-bindende Pilz-Dämmstoffe) bis hin zur Industriesymbiose Kalundborg, wo Abfälle des einen Unternehmens die Rohstoffe des nächsten sind.
Abschließend gab Moritz Meidert (Kommune Zukunft / Vierte Ort) einen Ausblick auf die Praxis. Sein zentraler Punkt: Technische Innovationen bei Materialien und Prozessen sind das eine – doch ohne soziale Innovationen und tiefgreifende Kooperation entlang der gesamten Wertschöpfungskette werden wir die Kreisläufe nicht schließen können.
Als nächster Schritt lädt das Circular Economy Forum Austria on 27. Mai zum Reconnect Roundtable ein: Im Fokus stehen die vertiefte Diskussion regenerativer Geschäftsmodelle and the Austausch über bewährte Good Practicesund konkrete Implementierungsschritte.
Fazit: Eine Wirtschaft, die Leben fördert, ist möglich. Das Webinar hat gezeigt, dass die Stärkung ökologischer und sozialer Kreisläufe Hand in Hand geht. Innovation, Kooperation und ein starker Praxisbezug sind dabei die entscheidenden Hebel für eine resiliente Zukunft.
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